A A A |
Thermenstadt im Naturpark AltmĂĽhltal

Projekttreffen in Deva (Rumänien)
Internationales Rezeptbuch erstellt

„Der Monat Oktober 2007 war der Apfelmonat an der Grundschule Treuchtlingen“, so erläutert Marion Kremer, die Koordinatorin des Comenius-Projektes „Die Natur – unser Freund“ mit Hilfe einer Power-Point-Präsentation den höchst interessierten Lehrkräften aus den Partnerschulen in Rumänien und in der Türkei die vielfältigen Aktivitäten der verschiedenen Klassen der Grundschule Treuchtlingen zum Thema Apfel. Nahezu alle Klassen haben sich mit dieser Frucht intensiv auseinandergesetzt, haben Äpfel gedörrt, haben Apfelsaft gepresst, haben Apfelmus produziert, haben Rezepte mit Äpfeln zusammengestellt und ausprobiert, haben Kunstobjekte gebastelt, haben Gedichte erarbeitet und gelernt. Auch beim gesunden Frühstück spielte der Apfel eine große Rolle und der Spruch „An apple a day keeps the doctor away“ (Der tägliche Apfel ersetzt den Arzt) ist inzwischen nahezu jedem Treuchtlinger Grundschulkind bekannt. Mit eindrucksvollen Bildern konnte die Treuchtlinger Delegation beim Comenius-Partnerschaftstreffen im rumänischen Deva aufzeigen, dass sich die gesamte Schule an dem vorgegebenen Thema beteiligte. Ort der Präsentation war die Scoala Europeana in Deva, wo sich die Vertreter der dortigen Schule mit vier Lehrkräften der Grundschule Akin im türkischen Aksaray und vier Lehrkräften der Grundschule Treuchtlingen trafen.

vor der Schule

Zwischen diesen drei Schulen gibt es – wie berichtet – seit August 2006 ein gemeinsames europäisches Bildungsprojekt nach dem Comenius-Programm. Mindestens drei Schulen aus drei europäischen Ländern bearbeiten ein gemeinsames Thema – in unserem Fall die Natur.

Im ersten Jahr hatten die Schulen ein von den Kindern gemaltes Naturmemory in vier Sprachen hergestellt, fĂĽr das zweite Jahr stand nun ein Rezeptbuch als Endprodukt auf dem Programm. In jeder Schule sollten Kochrezepte mit einer landestypischen Frucht gesammelt und ausprobiert werden. Zum Start in das zweite Jahr hatte man beim Treffen in Treuchtlingen im April 2007 einen Apfelbaum, einen Zwetschgenbaum und einen Walnussbaum gepflanzt. Damit war die jeweilige Frucht schon festgelegt. Nun trafen sich die Schulen und brachten ihre Rezepte zusammen, so dass ein gemeinsames Rezeptbuch erstellt werden kann. Damit endet das zweite Jahr der Zusammenarbeit.

Wenn man sich im Oktober 2008 erneut trifft – diesmal wieder in Treuchtlingen – dann werden an einem Projekttag in der Schule alle im Rezeptbuch stehenden Gerichte vorbereitet und ausprobiert, so dass ein internationaler Flair in die Schule kommt. Die gegenseitige Vorstellung der Rezepte waren natürlich nicht das einzige Thema des Treffens in Deva. Die Lehrkräfte in den verschiedenen Ländern hatten mit den Kindern zusammengestellt, welche Besonderheiten es im Schulalltag gibt und welche Feste im jeweiligen Land gefeiert werden. Diese Bräuche und Gewohnheiten, Traditionen und Aktivitäten stellte man sich nun gegenseitig vor. Da gab es schon eine ganze Reihe an Unterschieden zu erkennen.

Die Lehrkräfte nahmen die Bilder aus den jeweils anderen Ländern mit, um sie daheim ihren Schülern zu präsentieren. Damit nicht genug. Die türkischen und deutschen Lehrkräfte hielten Unterricht bei den rumänischen Kindern, um ihnen Traditionen ihrer Länder zeigen zu können. So spielten türkische Lehrkräfte mit den Kindern aus Deva, was sich in einer Familie abspielt, wenn ein großes Fest beginnt.

Die Treuchtlinger Lehrerinnen lernten den rumänischen Kindern ein Kinderlied, bei dem gleichzeitig die Namen der Wochentage von Bedeutung waren. Die Kinder in Deva machten begeistert mit und freuten sich über die Abwechslung im Unterricht. In der später folgenden Pause erklang dieses Lied aus mehreren Winkeln des Schulhauses. Nicht zuletzt wegen dieses Effektes wurde in der nachmittäglichen Besprechung beschlossen, diesen Unterricht der Gäste weiterhin bei jedem Partnerschaftstreffen einzubauen.

Natürlich erlebten die Lehrkräfte aus Treuchtlingen und Aksaray auch den Unterricht ihrer rumänischen Kollegen und erhielten intensive Einblicke in die Arbeit an dieser Schule, an der doch manches anders läuft als in Deutschland. Die lange gemeinsame Schulzeit vom Kindergarten, der sich im Schulhaus befindet, bis zur achten Klasse ist dort selbstverständlich. Teilweise unterrichten zwei Lehrkräfte in einer Klasse, so dass erhebliche Differenzierungsmöglichkeiten gegeben sind. Die Kinder arbeiten im Unterricht sehr eifrig mit, auch wenn es bis in den Nachmittag hinein geht. Dafür sind nach jeder Unterrichtsstunde mindestens zehn Minuten Pause, so dass es viele Erholungsmöglichkeiten gibt.

Zusätzlich bot der Aufenthalt in Rumänien auch die Gelegenheit, einen Einblick in die Geschichte und Kultur des Landes zu bekommen. Die Festung von Deva, hoch auf einem Berg gelegen, war ein wichtiger Anziehungspunkt. Zu einem Höhepunkt wurde die Fahrt nach Sibiu, dem früheren Hermannsstadt, der europäischen Kulturhauptstadt 2007, in der ein deutscher Bürgermeister die Geschicke der Stadt lenkt. Die Besuche im Freilandmuseum und im Glasikonenmuseum waren dabei ebenso eindrucksvoll wie das völlig renovierte Stadtbild. Die Öffentlichkeit nahm viel Notiz von dem Besuch der Gäste der Schule.

Ein Empfang beim Bürgermeister der 70.000-Einwohner-Stadt Deva machte deutlich, dass man dort den Partnerschaftsprojekten der Schulen große Bedeutung beimisst. Auch das lokale Fernsehen besuchte die Arbeit während des Partnerschaftstreffens und berichtete von der Eindrücken der Gäste und von den Ergebnissen der Arbeit. Am letzten Tag wurden beide Delegationen als Ehrengäste zu einem internationalen Symposium über das Thema Natur eingeladen, für das die rumänische Schule große Vorarbeit geleistet hatte. Die Treuchtlinger durften dabei ihr Apfelprojekt in vollem Umfang präsentieren und Marion Kremer betonte in ihrem sehr beifällig aufgenommenen Vortrag den zweifachen Nutzen des Projektes: Zum einen wird den Schülern die Bedeutung von Natur und Umwelt für ihr eigenes Leben nähergebracht, zum anderen beweisen alle Beteiligten mit ihrer freundschaftlichen Zusammenarbeit, dass die Länder Europas weiter zusammenwachsen. Die Aufarbeitung und Zusammenfassung des zweiten Projektjahres war die wesentliche Aufgabe dieser Begegnung.

Gleichzeitig aber galt es auch, nach vorne zu blicken auf das dritte und letzte Jahr dieses Comenius-Projektes. Im Mittelpunkt steht dann die Umgestaltung der Schulhöfe zu kinderfreundlichen Flächen mit Umweltcharakter.

Einige Punkte wurden bereits zusammengestellt – vor allem aber sollen die Wünsche und Ideen der Kinder Berücksichtigung finden, wenn es um den Pausenhof geht. Einiges ist auch schon im Gange – aus den Erfahrungen der ersten Besuche.

So zeigte man den Treuchtlingern in Deva voller Stolz ein grĂĽnes Klassenzimmer, so wie man es beim Auwald in Graben gesehen hatte, und die TĂĽrken machten deutlich, dass sie auf dem besten Wege sind, ihre SteinwĂĽste in einen grĂĽnen Park zu verwandeln.

In Treuchtlingen gibt es da noch einiges zu tun, wenngleich die Abhängigkeit von der zur Verfügung stehende Fläche schon wieder eine große Einschränkung bedeutet. Bei der Verabschiedung in Deva waren sich alle darüber einig, dass man wiederum einen bedeutenden Schritt in Richtung Europa gemeinsam gegangen war. Das gegenseitige Verständnis für unterschiedliche Menschen mit unterschiedlicher Herkunft und Geschichte kann nur dann wachsen und gedeihen, wenn man sich gegenseitig trifft und kennen lernt. So warten nun heute schon alle Beteiligten voller Spannung und Vorfreude auf die nächste Begegnung im Oktober in Treuchtlingen.

EindrĂĽcke vom Aufenthalt in Deva

auf der Burg
Bratäpfel - mm lecker
im Freilandmuseum
Geschenke
Sibiu
vor dem Rathaus