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Thermenstadt im Naturpark AltmĂĽhltal

Projekttreffen in Aksaray

Im Juli 2006 erreichte die Grundschule Treuchtlingen eine erfreuliche Nachricht des Deutschen Pädagogischen Austauschdienstes (PAD): Das Partnerschaftsprojekt „nature – our friend“ mit den Schulen in Deva (Rumänien) und Aksaray (Türkei) im Rahmen des Europäischen Bildungsprogramms, das nach dem großen Pädagogen COMENIUS benannt ist, wurde genehmigt – allerdings ohne die Schule in Pogwizdow (Polen), die gleichzeitig an einem anderen Projekt beteiligt war.

Drei Jahre Zusammenarbeit

Ein Jahr lang arbeiteten die drei Schulen eng miteinander, trafen sich jeweils eine Woche in Rumänien und in Treuchtlingen, um sich gegenseitig kennenzulernen und die gemeinsamen Aktivitäten auszuarbeiten, informierten sich gegenseitig über ihre Schule, ihre Stadt, ihre Region, erstellten als gemeinsames Jahresprodukt ein von den Kindern gemaltes viersprachiges Naturmemory und eine Projektzeitung, die in englischer Sprache über das Projekt berichtet und die in der Grundschule aushängt. Am Ende des ersten Jahres musste in einem ausführlichen Abschlussbericht die gesamte Arbeit dokumentiert werden – als Voraussetzung für eine Genehmigung zur Fortsetzung des Projekts für weitere zwei Jahre. Projektleiterin Marion Kremer und Schulleiter Claus Wagner nützten einen Teil der Sommerferien, um in Kontakt mit den Partnerschulen das 1. Projektjahr mit einer umfangreichen Dokumentation abzuschließen. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten; der PAD schickte die Einwilligung zur Fortführung des Projektes und stellte die finanziellen Mittel zur Verfügung. So konnten sich nun die Vertreter der drei Schulen für eine Woche in Aksaray treffen, um die Weiterarbeit am gemeinsamen Projekt, die schon im Vorfeld besprochen worden war, detailliert zu planen.

GroĂźartiger Empfang in der TĂĽrkei

Was die Gäste aus Treuchtlingen und Deva in der Türkei erlebten, übertraf an Herzlichkeit und Gastfreundschaft alle Erwartungen. Schon am Flughafen in Ankara, immerhin 230 km von Aksaray entfernt, wurde die Delegation von einer fünfköpfigen Abordnung der Schule empfangen. Es war sogar eine Lehrkraft da, die in diesem Jahr nicht mehr an der Schule ist. Diese Lehrkraft wartete dann bei der Rückfahrt zum Flughafen vor dem Heimflug unterwegs im strömenden Regen, um noch einmal ganz kurz ade sagen zu können. Nicht zu übertreffen war der Empfang in der kleinen Schule in Akin, einem Vorort der 130000-Einwohner-Stadt Aksaray, vergleichbar etwa mit Wettelsheim. Lehrerkollegium und Schüler begrüßten begeistert die Gäste mit türkischen Bräuchen und traditionellen Vorführungen und Tänzen. Sogar der Comenius-Beauftragte der gesamten Region hatte sich Zeit für dieses Ereignis genommen, obwohl er derzeit insgesamt 13 Comenius-Projekte betreut. Erstmals erlebten die Besucher jene Rituale, die ihnen von nun an täglich mehrfach begegnen sollten: Hände säubern mit „Kölnisch Wasser“, Übergabe einer Süßigkeit, die Glück verheißen soll; Angebote an Tee oder Kaffee. Danach erlebten sie das Ritual, das traditionell am Vorabend einer türkischen Hochzeit stattfindet; die sogenannte Kira-Nacht. Die deutschen und rumänischen Gäste wurden in die Feierlichkeiten einbezogen; eine deutsche Lehrerin stellte die Braut dar und ein rumänischer Lehrer spielte den Bräutigam,. Anschließend wurde von älteren Schülerinnen und ihre Mütter das Nationalgericht Börek im Klassenzimmer , das im Stil eines traditionell gestalteten Festsaales eingerichtet war, zubereitet und den Gästen kredenzt.

Eindrucksvolle Schulbesuche

Ein weiterer Höhepunkt waren die Außenanlagen der Schule – vor allem, wenn man Vergleiche zog zu den Fotos, die man vor einem Jahr von der Schule bekommen hatte. Rund um die Schule waren Bäume gepflanzt und Grünflächen angelegt – Lehrkräfte und Schüler hatten dies als Folge des gemeinsamen Projektes bewältigt. Vor allem die in Treuchtlingen erlebten Pflanzungen hatten die türkischen Kollegen sehr beeindruckt und zur Nachahmung animiert. Bald wird die früher von einer Steinwüste umgebene Schule an dem Wettbewerb „Grünste Schule in Aksaray“ teilnehmen können. In den folgenden Tagen standen viele Besuche auf dem Programm. Sämtliche Schultypen, die es in der Türkei gibt, hatten offene Türen für die Gäste. Es begann in einem Kindergarten, der dort immer zum Schulsystem gehört – egal, ob er offiziell in eine Schule integriert oder noch selbständig ist. Die Sechsjährigen waren gerade beim gemeinsamen Mittagessen. Diese Kinder kommen dann in die Grundschule und bleiben acht Jahre zusammen. Die tägliche Schulzeit dauert bis 15.00 h oder bis 16.00 h – allerdings mit einer Mittagspause und mit 15 Minuten Pause nach jeder Unterrichtstunde, was den Schultag entzerrt und den Kindern viele Erholungsphasen bietet. Nach acht gemeinsamen Schuljahren fällt die Entscheidung, ob die Kinder ein Gymnasium besuchen, ob sie in eine fachgebundene Schule gehen oder ob sie beginnen zu arbeiten. Interessant war für die Besucher die herzliche und disziplinierte Schulatmosphäre.Die Kinder kamen ihren Gästen ganz offen und unkompliziert entgegen, riefen ihnen „welcome“ entgegen und winkten auch später beim Abschied. Der erste Weg führte immer zum Schulleiter und der Empfang lief jeweils nach bekanntem Ritus ab (Hände waschen – Süßigkeiten – Tee – Gespräch). Dann erst erfolgten Besuche in den Klassen bzw. in den gut ausgestatteten Fachräumen.

Offizielle Empfänge

Wie auch schon in Deva und Treuchtlingen gab es für die Delegationen auch offizielle Auftritte, bei denen auch die Medien von diesem Ereignis erfuhren. Besonders interessant war der Besuch beim „Erziehungsdirektor“ von Aksaray, der für alle Schulen der Region zuständig ist. Im Park seines Dienstsitzes konnten wir ein Vogelhäuschen bewundern, das zu Jahresbeginn von einer Treuchtlinger 4. Klasse gebastelt worden waren und als Geschenk nach Aksaray gewandert war. Die Gäste wurden ganz herzlich willkommen geheißen und erfuhren hier eine Menge über das türkische Schulsystem und über die Vorstellungen der Gastgeber. Schulleiter Wagner bedankte sich für den Empfang, über den die Presse von Aksaray ausführlich berichtete, und für die Informationen mit einer fränkischen Spezialität: Nürnberger Lebkuchen. Ein weiterer Höhepunkt war der Empfang bei Aksarays Bürgermeister Palta, der sich eine ganze Stunde Zeit nahm und seine Stadt vorstellte; mit ihm wurde ausführlich über die Bedeutung solcher internationalen Projekte diskutiert und er gab seiner Freude Ausdruck, dass hier aus einer gemeinsamen Arbeit schon eine herzliche Freundschaft entstanden ist. Schulleiter Claus Wagner überreichte ihm einen Treuchtlinger Glaskrug als Geschenk von Bürgermeister Wolfgang Herrmann und nahm die Grüße für den Treuchtlinger Rathauschef entgegen. Jedem seiner Gäste überreichte der Bürgermeister persönlich eine Geschenktasche mit Informationen und Andenken aus Aksaray. Auch von diesem Besuch wurde im lokalen Radiosender und in der Presse sehr ausführlich berichtet.

Eintauchen in die Kultur

Allerorten begegneten die Gäste der türkischen Kultur – beim Besuch des historischen Museums in Aksaray, beim Besuch einiger Moscheen, beim Besuch in einer Karawanserei an der Seidenstraße oder in einer Teppichknüpferei, in der wertvolle Teppiche aus aller Welt restauriert werden; schließlich beim Besuch der Wirkungsstätte von Mevlana und seinen tanzenden Derwischen in Konya. Um die unglaublichen Naturschönheiten Kappadokiens bewundern zu können, hängten die Treuchtlinger noch einen zusätzlichen Tag an den offiziellen Besuch an. Dass die türkischen Kollegen sehr kultur- und traditionsbewusst sind, erlebten ihre Gäste bei zahlreichen privaten Einladungen in die Wohnungen der Gastgeber, zum Frühstück in großer Runde, zum Nachmittagstee, zum Abendessen. Es war schon toll, was man sich alles vorgenommen hatte, damit sich die Gäste wohl fühlen.

Bausteine gemeinsamer Arbeit

Der wesentliche Bestandteil des Besuches in der Türkei aber war die Planung der weiteren Arbeit für das gemeinsame Projekt. Dass im Herbst nach der Ernte die Obstsorten Apfel und Zwetschge sowie die Walnuss im Mittelpunkt stehen sollte, hatte man schon im Frühjahr mit dem Pflanzen der drei Bäume im Comenius-Garten der Treuchtlinger Grundschule signalisiert. Während in Treuchtlingen im Oktober jede Klasse ein Projekt in Sachen Apfel durchführte, standen in Deva die Zwetschge und in Aksaray die Walnuss im Mittelpunkt. Man stellte sich die Aktionen gegenseitig vor. Jetzt geht es darum, Rezepte zusammenzustellen und auszuprobieren. Danach werden die Rezepte ausgetauscht und jeweils an einer Partnerschule ausprobiert. Am Ende steht als Produkt ein mehrsprachiges Rezeptbuch unter Benutzung dieser drei Früchte. Ein weiteres wichtiges Thema ist die gegenseitige Vorstellung des schulischen Alltags und der Festlichkeiten in den einzelnen Ländern. Nachdem nun Besuche an allen drei Orten stattgefunden haben, kann man sich die gegenseitigen Beschreibungen wesentlich besser vorstellen. Sicher kann man auch die eine oder andere Aktivität übernehmen. Für das dritte Projektjahr hat man nun geplant, dass man sich die Situation der Pausenhöfe etwas genauer anschaut. Hier werden nun in den einzelnen Schulen erste Vorarbeiten geleistet, bevor man sich darüber beim nächsten Treffen, das im April 2008 in Rumänien stattfinden soll, genauer austauscht.

Das Europa der menschlichen Begegnungen

Nach einer anstrengenden, interessanten und sehr kurzweiligen Woche mit vielen Höhepunkten verabschiedeten sich die rumänischen und die deutschen Gäste und machten sich mit zahllosen positiven Eindrücken auf den Heimweg. Der Abschied fiel nicht ganz leicht, denn die im letzten Jahr entstandene Freundschaft hatte sich in diesen Tagen weiter vertieft. Daheim wurden die Treuchtlinger Lehrkräfte schon von E-mails aus Aksaray und Deva empfangen. Dort wurde zum Ausdruck gebracht, dass man überall dankbar ist für die harmonische Begegnung und dass man sich freut auf die jetzt beginnende Arbeit mit den Kindern und das nächste Treffen in Rumänien. So wächst Europa zusammen.

Impressionen vom Aufenthalt

Empfang in der Schule
und beim BĂĽrgermeister
Ausflug nach Kappadokien
Besichtigung der High School
Apfelbaumaktion
Teilnahmebestätigung