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Thermenstadt im Naturpark AltmĂĽhltal

Kunst mit und in der Natur

Du wirst mehr in den
Wäldern finden
als
in den BĂĽchern.
Bäume und Steine
werden dir zeigen,
was du von keinem
Lehrmeister hörst.
  
                                                     
                    
                                             Bernhard von Clairveaux

LandArt , eine neue Kunstrichtung, die in den letzten Jahren immer wieder von sich reden machte, fand nun auch ihren Widerhall im neuen bayerischen Grundschullehrplan.

Obwohl dieser Stil schon seit Ende der 60er Jahre von verschiedenen Vertretern, wie Walter de Maria oder Richard Long, in der modernen Kunstszene etabliert wurde, fand er erst in den 80er und 90er Jahren Zugang zu einem erweiterten kunstinteressierten Kreis.

Einer der wohl populärsten Vertreter ist Andy Goldsworthy, der durch seine Fotobände diesen Kunstbereich einem breiten Publikum vorstellte.

Kunst mit und in der Natur, wie es im neuen Grundschullehrplan angedacht wurde, stützt sich weitgehend auf die Erfahrungen dieser Landart –Künstler, die mit unterschiedlichen Mitteln und Techniken Akzente setzten und natürlich Gegebenes und künstlerische Eingriffe zu einer neuen Einheit verbanden. Zum einen wollten sie das Eigene eines Landschaftsraumes bewusster machen, zum anderen sollte auch der künstlerische Gestaltungsakt für die handelnde Person eine neue sinnlich-ästhetische Wahrnehmung erfahrbar machen.

Im Bereich der Kunsterziehung des neuen Grundschullehrplanes wird immer wieder auf die Landart verwiesen und so sollte eines der Anliegen hier auch darin bestehen, die GrundzĂĽge dieser Kunstgattung etwas zu verdeutlichen.

„Natur als Künstlerin“– ein Themenbereich, der alle Jahrgangsstufen im neuen Lehrplan durchzieht, zeigt, dass der Bereich Kunst/Natur sich nicht ausschließen, sondern sich ergänzen und neue intensive Kunst- bzw. Naturerfahrungen und Zugänge ermöglichen. Auf der Suche nach Gemeinsamkeiten dieser beiden Bereiche stößt man schnell auf die gemeinsame Prämisse der Wahrnehmung.

Zurecht wird im Lehrplan gefordert die „Erlebnis- und Wahrnehmungsfähigkeit „der Schüler zu entfalten. Genau hier ist zwischen den Bereichen Natur und Kunst die vordergründige Schnittstelle zu finden.

Gehe ich in die Natur, so findet dieser Akt meist weniger zielorientiert statt. Die Sinne sind aufgeschlossen um z. B. bei einem Waldspaziergang Auffälliges zu entdecken und zu erleben. Ich schaue mich im Wald oder auf einer Wiese um und nehme plötzlich den vorbeifliegenden Bussard war oder den versteckt blühenden Seidelbast.

Man ist offen und bereit die Natur mit ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen wahrzunehmen. Ist es in der Kunst nicht analog? Man geht in eine Ausstellung, um sie sich anzuschauen. Die einzelnen Bilder wirken auf unterschiedliche Weise auf den Betrachter, der mit geschärften Sinnen die Exponate betrachtet. Betritt man eine gotische Kathedrale, so lässt man sich zunächst von ihrer Wirkung einfangen, d.h. die Sinne sind aufgeschlossen, um diesem gotischen Bau in seinen verschiedenen Sichtebenen gerecht zu werden. Wie groß muss die Wahrnehmungsfähigkeit sein, wenn der Betrachter nicht nur auffällige Alterbilder und Epitaphien bemerkt, sondern sich auch der Raumwirkung solch eines Baues bewusst wird.

Pablo Picasso wird das Zitat zugeschrieben: “Ich suche nicht, ich finde!“ .Dieser berühmte Künstler zeigt uns damit, dass es bei kreativen Schaffensprozessen nicht nur um Techniken und Ideen geht, sondern dass die Wahrnehmung ein zentraler Baustein künstlerischen Arbeitens darstellt. Wen man sich den ausdrucksstarken Stierkopf betrachtet, den Picasso aus einem alten Fahrradsattel und einem Fahrradlenker geschaffen hat, versteht nun seine Worte klarer. Man kann sich nun leichter vorstellen, wie er bei einem Morgenspaziergang im Straßengraben verschiedene Teile eines alten klapprigen Fahrrades gefunden hat und wie sein Blick in den Einzelteilen die Form eine Stierkopfes wahrnahm und er im Geist die notwendigen Teile schon vormontierte. Dies ist zunächst die große Fähigkeit der tieferen und komplexen Wahrnehmung der vielen Erscheinungsformen innerhalb unserer Welt.

Aber eben dies ist auch entsprechend wichtig für den Bereich der Naturbeobachtung, wie sie in der Umweltpädagogik als grundlegender Pfeiler anzusehen ist.

Diese scheinbar so von einander entfernten Themenkreise Kunst und Natur offenbaren hier Gemeinsamkeiten, die ĂĽber ihre fachimmanenten Bereich weit hinausgeht.

In unserer eingeengten Bilderflut der Medien wird auch die Wahrnehmung der Sinne immer reduzierter. Kinder sind nur noch den sich selbst steigernden Reizen von vorgelebten Medienbildern ausgesetzt und sie können nur im beschränkten Maße die Vielschichtigkeit der Erfahrung durch spielerisches und authentisches Erleben auch erfahren. Der schöpferische Prozess, der im gestalterischen Tun der Kinder in Ihrer Auseinandersetzung mit Natur und Kunst liegt, zeigt, dass dieses kreative Gestalten Gegenwärtiges wahrnimmt und über das Vorhandene hinausgeht. Durch diesen eigenschöpferischen Prozess lernt man die Natur anders, vielschichtiger und tiefer sehen, und nicht nur als Objekt ihrer Beherrschung, wie er in vielen Bereichen des Alltages uns suggeriert wird.

Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar (P.Klee)

Dass ästhetisches Empfinden und Wahrnehmen von Natur eng miteinander verbunden sind, zeigte schon der bekannte Verhaltensforscher Konrad Lorenz auf. Er geht sogar noch weiter und formuliert diese Bereiche als Grunderfahrung zu ethisch – kulturellem Empfinden.

„Die allgemeine und rasch um sich greifende Entfremdung von der lebenden Natur trägt einen großen Teil der Schuld an der ästhetischen und ethischen Verrohung der Zvilisationsmenschen.“ (K. Lorenz, Die acht Todsünden der zivilisierten Menschen).

Schönheit der Natur und Schönheit der menschen geschaffenen kulturellen Umgebung sind offensichtlich beide nötig, um den Menschen geistig und seelisch gesund zu erhalten.

So ist die Sensibilisierung der Sinne durch das kreative Gestalten mit und in der Natur, wie es in Anlehnung an die Land Art geschieht, mehr als nur eine Möglichkeit unser natürliches Umfeld vermehrt wahrzunehmen. Fundamentales Anliegen dieser künstlerischen Naturerfahrung ist es sich von Orten und Grundstoffen der Natur inspirieren zu lassen, um unmittelbar vor Ort mit den vorhandenen Materialien Kunstwerke zu gestalten. Gerade das Einbeziehen des Ortes, an dem gestaltet werden soll, offenbart die Vielschichtigkeit von Wahrnehmung. Natürliche Gegenstände werden in einem intensiven Bezugsfeld zu ihrer Umgebung gesehen, so dass die Gefahr der reinen dekorativen Naturbastelei überhaupt nicht entsteht.

Für viele ist diese Arbeitsweise zunächst noch zu ungewohnt, um ohne Themenstellung, in „freiem, kreativen“ Schaffensdrang, zu arbeiten. Man möchte sich gerne an eine thematische Anregung oder wenigstens an ein Rahmenthema halten, das einem hilft „die Augen zu öffnen“. Dies dient auch sicherlich verstärkt zur Klärung der Grundabsicht, setzt Impulse für eine genauere Wahrnehmung gegenüber der Natur und unterstützt einen bei der Entwicklung eines eigenen Konzeptes.

Dieses Rahmenkonzept kann sich an natürlichen Strukturen und Formen orientieren oder durch Gegensätze Spannung aufbauen. Weitere Themenfelder könnten sein: Einen Platz sichtbar machen - die Bedeutung einer Naturform (z.B. Baum) steigern - Sammeln und Auslegen - der Weg, den ich gehe - Spuren passen sich den natürlichen Formen an - etc.

Kunst im Dialog mit der Natur

Das ausreichende Vorhandensein von Spannung ist in den meisten Fällen bildnerischen Arbeitens eine unerlässliche Komponente für künstlerische-formale Reize. Durch scheinbaren einfache Gegensätze lassen sich optisch reizvolle Spannungen erzeugen, die den Betrachter erst in den Bann ziehen. So hat ein Apfel vor einem runden Hintergrund bei weitem nicht das Spannungsgefälle aufzuweisen, wie vor einem rechteckigen Blatt Papier.

Schon der große italienische Renaisancemaler Raffael bediente sich dieser einfachen Kompostionslogik im umgekehrten Sinne. In seinen runden „Tondos“ benutzt er stets die dreieckige oder pyramidale Form bei der Darstellung seiner berühmten Madonnen.

Aber auch im Einsatz von geometrischen Formen geht seit Menschengedenken ein ästhetischer Reiz aus. Die ersten archaischen Gestaltungsversuche von Menschen benutzten Dreiecke und Quadrate nicht zur Dekoration, sondern Steigerung von Ausdruck, zum Aufbau von Spannung um das scheinbar nicht wahrnehmbare in ein bildnerisches Ausdrucksgefüge zu bringen. – wird dieser Reiz durch natürliche Gestaltungstechniken.

Wird dieser Reiz durch natürliche Gestaltungstechniken (Blätter legen,etc) draußen vor Ort umgesetzt, erkennt man erst die Faszination, die davon ausgeht und die auch die Kinder beim Gestalten in ihren Bann schlägt.

Spannung erzeugen in der Kunst bedeutet aber auch den Versuch wagen, durch Gegenüberstellung oder noch besser durch Einbindung von Natur und menschlichem Eingriff eine neue und tiefere Sichtweise des Bekannten zu bekommen. Dadurch, dass der Baum sich in einem einfühlsam gestalteten Umfeld zeigt, erhält er, neben der Schaffensfreude, die sich in diesem Prozess offenbart, eine neue Sichtweise für das Kind. Der Baum wird so in seiner Bedeutung durch einen natürlich – kreativen Akt des Kindes oder des Gestalters hervorgehoben. Diese einfühlsame Spannung zu erzeugen ist eine ästhetische und gestalterische Hauptaufgabe in der Landart.

Geometrische Formen, mit Naturmaterialien (Blättern, Zweigen, Steinen, Zapfen, etc.) gelegt, können so z. B für Kinder eine einfache ästhetische Grundlage bieten. Von alters her ging von Dreieck, Kreis und Quadrat in der Gestaltungtechnik des Menschen immer ein starker Reiz aus und wurde in die natürliche und menschliche Lebenskultur eingebaut. So waren diese Grundformen oft Mittler zwischen der menschlichen Wirklichkeit und der mystischen Natur. Mit diesen Formen zu spielen, draußen in der Natur und zu beobachten, welchen starken gestalterischen Reiz ein mit weißen Steinen gelegtes Quadrat oder Dreieck auf die Kinder hat, ist eine der unübersehbaren Wesenszüge dieser Kunstrichtung.

Die geometrischen Formen im Mathematikunterricht nachgezeichnet, werden nie so einen starken emphatischen Reiz erzeugen, wie das gleiche Thema ĂĽbertragen im Wald und gelegt durch Naturmaterialien.

Die Form an sich hat nun einen eigenen Reiz. Setzt man sie spielerisch ein, um eine andere natürliche Form ( Baum, Menschen, Schatten, etc.) einzubauen, gelangt man zu dem zuvor beschriebenen Spannungsreiz in der Kunst, der uns so häufig unbewusst fasziniert. Hier zu experimentieren macht nicht nur den Kindern Spaß und treibt alle Beteiligten zu neuen, kreativen Prozessen. Schön ist es, wenn Kinder zuerst in einer Gruppe (ca.3-4) sich zu einer Gestaltungabsicht verabreden und eine gemeinsame ungefähre Idee kreieren( z.B. welche Form bauen wir wo ein?

Spuren

Ein anderer Aspekt einen ästhetischen Gestaltungsanreiz zu geben liegt auch im Themenfeld Spuren. Spuren (im Sinne von Reihungen) tragen in sich auch immer einen starke ästhetische Wirkung, wenn sie mehrere natürliche Formen (Baumstämme, große Äste, große Steine) miteinander verbinden.

Die Kinder bauen aus einem Urtrieb heraus gerne „Straßen„ (mit Blättern, Steinen, etc.). Bewusst, z.B. als Verfremdung eingesetzt, steigern diese Reihen, durch die Anlage ihrer Gestaltung, die Gesamtwirkung auf tiefste Weise.

Eine der großen Wesenszüge der kreativen Auseinandersetzung mit Landart in der Schule ist mit Sicherheit, dass das Arbeiten in dieser Abstraktion und „Einfachheit“ fast allen Kindern gerecht werden kann und trotzdem den künstlerischen Anspruch nicht verliert.

Denn wird in der Kunst einfaches Werkzeug oder einfachere Materialien benutzt ist dies nicht gleichbedeutend mit undifferenziertem, groben oder gar unkreativen Arbeiten. Die Reduktion entspricht vielmehr der Besinnung auf das Wesentliche, den Materialwert und die kreativen Fähigkeiten. Das handwerkliche Geschick, speziell die Fähigkeit zu „imitieren“, verliert an Bedeutung. An ihrer Stelle jedoch treten künstlerische Idee und kreatives Verhalten.

Als Joseph Beuys einmal eine sehr gut ausgestattete und komfortable Kunstschule besichtigte, machte er hinterher einem Künstlerkollegen gegenüber seinem Unmut Luft:„ Ich würde allen zuerst einen Kartoffelschäler und ein Stück Holz in die Hand drücken und sehen, was dabei herauskommt.“

Seien wir doch ehrlich – überschätzen wir nicht die materiellen Mittel innerhalb des Kunstunterrichtes etwas. Kreativität als Prinzip und als Prozess werden von uns gerne beschworen, das Vertrauen in die Schüler (und vielleicht in die eigene Person) ist dagegen eher die Ausnahme.

Meist lässt man ihnen keine Zeit zum Experimentieren und Entdecken, sondern lenkt sie gleich mit erprobten Verfahren in die Schlussphase des kreativen Geschehens. Als künstlerisches Kreativmaterial stellen wir von Kollegen und Herstellern Erprobtes zur Verfügung. Der Einsatz anderer, scheinbar reizärmerer Materialien wurde in der modernen Kunst durch die Künstler der „Arte povera“ und der Land-Art in den letzten Jahren im großen Stil vorgelebt.

In einer Welt der schnelllebigen Bilderflut ist für uns Lehrer dieser ruhige, kreative Arbeitsansatz des Zugangs aber auch unter anderen pädagogischen Gesichtspunkten zu sehen.

Neben dem ästhetischen Gestaltungswillen geht es bei diesem Arbeiten in der Natur auch darum den Bezug zur Umwelt und ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen zu intensivieren. Natürlich sind die sozialen Prozesse, die hierbei auftreten auch wichtiger Baustein der Gestaltungsarbeit und für uns Lehrer pädagogische Möglichkeit Integrationsarbeit zu leisten, oder auch nur Einzelne zu sensibilisieren.

Ein anderer Baustein in diesem Bereich ist der gesellschaftliche Aspekt des „Behaltens“ oder wie Erich Fromm es in seinem Buch „Sein und Haben“ausdrückt,als das immerwährende Streben zum Haben und Besitzten. Denn von den Kindern kommt mit Sicherheit – die berechtigte Angst, dass, wenn etwas gestaltet wird, es doch schon am nächsten Tag zerstört sei (von anderen Kindern, Wind, etc.).

Nun kommt auf den Lehrer die Aufgabe zu den Kindern begrifflich zu machen, dass das Entstehen( der Prozess) , das gemeinsame Arbeiten und das „Bestaunen“ (gemeinsam!) eigentlich das Wichtige ist (Überbrückungshilfe sind natürlich Fotos!). Die Geschichte von den tibetanischen Mönchen, die monatelang mit farbigen Sand Mandalas legen und sich dieses konzentrierten Arbeitens sehr bewusst sind und die nach Fertigstellung mit einer Armbewegung alles wegwischen, um zu zeigen, dass das Mitnehmen eines Bildes im Kopf erfolgen sollte und nicht im Sinne von Haben und Besitzen.

Meines Erachtens ist dies ein wichtiger Aspekt für uns Pädagogen, auch oder gerade in unserer heutigen Welt der überproportionalen Orientierung an materiellen Werten, Kinder mit anderen Wertstrukturen zu konfrontieren.

So hatte Mariella Mosler auch auf der documenta X im Jahre 1997 noch Schwierigkeiten in der Akzeptanz und entsprechenden Wertschätzung ihrer Arbeit. Denn der offensichtliche Arbeitsaufwand, der zur Fertigstellung ihrer filigranen Sandreliefs notwendig war, provozierte immer wieder Kommentare der „Verschwendung von Zeit“, da sich diese modernen Arbeiten dem künstlerischen Verwertungsprozess (Galerien, Verkauf, etc.) entzogen.

Im Sinne der Natur ist es jedoch, den ständigen Wandel, die Veränderung als etwas Natürliches zu sehen. So ist es auch kein Wunder, dass die Begriffe „Zeit“ und „Veränderung“ in der Auseinandersetzung mit Landart eine wichtige Rolle spielen.

LandArt als Teil der Erlebnispädagogik

Ausgehend also von dem Kunstbegriff LandArt wollen wir aber Vorstufen hierzu in der Schule entwickeln. Inhalte und Ziele sind jedoch identisch mit den Aspekten, die uns in unserer schulischen Arbeit im Bereich der Kunsterziehung und der Umwelterziehung berühren.Anders formuliert: LandArt ist die optimale Schnittstelle in der Erlebnispädagogik zwischen den Erlebnisformen Kunst und Natur. Vordergründig wollen wir in der künstlerischen Auseinandersetzung mit und in der Natur, neue und intensivere Bezüge der Kinder zur Natur schaffen.

Sehen, Fühlen, Wahrnehmen, das Material, der Ort und die Form sind hier untrennbar verbunden im gemeinsamen Schaffen. Als einziges Hilfsmittel für den künstlerischen Prozess mit und in der Natur steht dem Schaffenden sein eigener Körper zur Verfügung – Hände, Füße, Augen, Ohren und was sich sonst als Werkzeug einsetzen lässt.

LandArt ist ein leises Unternehmen. Es heißt Beobachten, Wahrnehmen, Abwarten, bis sich ein Haufen Blätter in eine Linie mit modulierendem Farbverlauf verwandelt, sich Steine zu einer Pyramide formen oder Holzstücke sich zu einer Skulptur zusammenfügen. Am schwierigsten ist die Arbeit bei Projektideen, die statische Kenntnisse und statisches Gefühl erfordern( z.B. Erstellung von geschichteten Steinkugeln). LandArt mit Kindern hat ihren eigenen Rhythmus und lässt sich nicht so leicht durchplanen. Ideen müssen sich oft entwickeln und verändern. Jede Arbeit entsteht, bleibt, vergeht, so wie sich die Natur in einem Zustand des ständigen Wandels befindet. Diese Erkenntnis ist auch der Schlüssel zur LandArtphilosophie.

LandArt heißt Ausdauer, Flexibilität und Spontanität, heißt Lust auf Ausprobieren.

Wer sich mit diesem Thema auseinandersetzt, merkt wie leicht, flexibel und unproblematisch diese Art der Gestaltungsarbeit bei Wandertagen oder in Schullandheimaufenthalten eingesetzt werden kann.

Manche der folgenden Beispiele sind beeinflusst von der spielerischen Gestaltungsfähigkeit jedes Einzelnen mit Naturmaterialien. Je nach künstlerischen Anspruch sollte jedoch schon möglichst früh gezielt ästhetische Schwerpunkte mitvermittelt werden, wie Ordnungs- und Formkriterien oder Farbakzente. Ein wesentlicher Gesichtspunkt ist auch der Einsatz der Verfremdung, d.h. durch das Schaffen neuer Zusammenhänge den Charakter des Selbstverständlichen, Bekannten zu nehmen und dadurch wieder Staunen und Neugierde erzeugen.

Natur-Mandalas

Nachdem der Bereich der Naturmeditation eigentlich in unserer pädagogischen Arbeit auch einen wichtigen Aspekt beinhaltet, und die Gestaltung von Naturmandalas ebenfalls ein künstlerisch – kreativer Akt darstellt, möchte ich die wichtigsten Grundsätze hier aufzeigen.

Das Wort „Mandala“ stammt aus der alten indischen Sprache des Sanskrit und heißt „Kreis“. In allen spirituellen Religionen und ebenso in der Kirchenkunst taucht es stets als „Meditationsbild“, als Mittler zwischen äußerer und innerer Wirklichkeit auf. Der Kreis symbolisiert Geschlossenheit und Stärke.

Wer sich im Kreis befindet gehört dazu. Aber auch das beruhigende “Immerwiederkehrende" taucht innerhalb diese Bildes auf.

Durch die Beschäftigung mit der Symbolik des Kreises werden Kinder ruhiger und ausgeglichener. Anders als die in Mode gekommenen „Ausmalmandalas“ spricht das Gestalten von Naturmandalas auch die eher grobmotorischen Kinder an und sie erlangen leicht eine positive Rückkopplung über ihre gestalterischen Fähigkeiten, die ihnen sonst oft versagt ist. Wichtig ist auch hier der Schwerpunkt in der Partner- und Kleingruppenarbeit. Denn es zeigt sich gerade hier, wie ruhig Kinder plötzlich miteinander ein Projekt besprechen und durchführen können. Auch kleine Konflikte , die es unweigerlich gibt, werden seltsamerweise ruhiger gelöst.

Grundprinzip des Mandalas ist, wie gesagt, der Kreis und der meist symmetrische Aufbau. Gestalterisch ausgewogen zeigen sich Mandalas mit fĂĽnf- oder sechsstrahligem Aufbau.

Ähnlich, wie in den Ansätzen der LandArt, benötigt man nur die Dinge, die man in unmittelbarer Umgebung vorfindet. Man sollte jedoch darauf achten nur Materialien zu verwenden, die auf dem Boden liegen.

Mögliche Gestaltungselemente sind: Äste, Zapfen, Moos, Blumenstile, Blätter, Rinde, Tannenzweige, Gräser, Blüten, Steine, Kies, etc.

Auch der Untergrund sollte Beachtung bei der Ausgestaltung finden (Teer, Erde, Laubstreu, Splitt, Baumscheiben, etc.

Das Beste ist es wieder sich einfach vom Ort, den Naturgegebenheiten und der eigenen Befindlichkeit tragen zu lassen.

Die folgenden Beispiele sind gedankliche Anregungen, die vielleicht als Anfangsimpuls dienen Themen weiterzuentwickeln oder von einer anderen Seiten her anzugehen.

Also, viel SpaĂź am Ausprobieren!

                                                                         Herbert Brumm